Datum
26.11.2025
Die digitale Welt ist bequem – aber selten wirklich eigenständig. Wer heute arbeitet, kommuniziert oder Daten verwaltet, tut dies meist auch auf Servern jenseits der Landesgrenzen. Mit der Demoplattform openDesk will die Bedag zeigen, wie sich das ändern lässt – Schritt für Schritt, gemeinsam mit ihren Kunden aus der öffentlichen Verwaltung.
Unsere digitalen Lösungen basieren weitgehend auf Software und Diensten von Microsoft, Google, Apple oder Amazon. Damit fliessen Datenströme, Kommunikationskanäle und Verwaltungstätigkeiten auch durch Infrastrukturen, die ausserhalb nationaler Kontrolle liegen. Solange die Systeme reibungslos funktionieren und keine politische Einflussnahme erfolgt, bleibt diese Tatsache oft unsichtbar. Doch in Krisen oder bei politischen Spannungen kann sie zur Schwachstelle werden – etwa dann, wenn der Zugriff auf kritische Dienste eingeschränkt wäre oder Daten kompromittiert würden.
Digitale Souveränität will genau das verhindern. Sie beschreibt die Fähigkeit eines Staates oder einer Organisation, die eigene digitale Infrastruktur zu kontrollieren, zu verstehen und weiterzuentwickeln. Im Kern geht es um Unabhängigkeit, Transparenz und Vertrauen – und um die Freiheit, technologische Entscheidungen selbstbestimmt zu treffen. Mehr dazu lesen Sie in unserem Beitrag Digitale Souveränität und Autonomie – eine Spurensuche und Auslegeordnung.
Digitale Souveränität in der Schweiz
In der Schweiz hat die Debatte über digitale Souveränität in den vergangenen Jahren spürbar an Dynamik gewonnen. Der Bundesrat hat 2025 die Strategie «Digitale Schweiz» erneuert und damit ein klares Signal gesetzt: Cybersicherheit, offene Standards und verantwortungsvoll eingesetzte künstliche Intelligenz sollen die digitale Zukunft des Landes prägen. Open Source spielt dabei eine Schlüsselrolle –als Werkzeug, um Unabhängigkeit, Transparenz und Innovationskraft zu fördern.
Dieses Ziel verfolgt auch das Netzwerks SDS – Souveräne Digitale Schweiz. Es verbindet Akteure aus Verwaltung, Wissenschaft und Wirtschaft, um Wissen zu teilen und gemeinsame Projekte voranzutreiben.
openDesk auf der Demoplattform der Bedag testen
Die Bedag setzt schon lange Open-Source-Software ein. Deshalb haben wir unsere Zusammenarbeit mit der Berner Fachhochschule BFH vertieft und uns an der Initiative für eine souveräne digitale Schweiz beteiligt. Als Gründungsmitglied des Netzwerks SDS haben wir eine openDesk-Demoplattform aufgebaut, die es ermöglicht, die Prinzipien digitaler Souveränität praktisch zu erleben und openDesk eigenhändig zu testen.
openDesk – ein Arbeitsplatz für unabhängige Verwaltungen
openDesk ist eine modulare, offene Plattform für digitale Zusammenarbeit. Sie vereint alle zentralen Anwendungen – von Text- und Tabellenbearbeitung über Dateiablage und gemeinsame Dokumentenverwaltung bis hin zu E-Mail, Kalender, Chat, Videokonferenz und Projektplanung.
Alles läuft webbasiert im Browser, ohne proprietäre Software oder Abhängigkeit von einer Cloud. Benutzerrechte und Zugriffe lassen sich zentral steuern, während das Design auf Übersichtlichkeit und Sicherheit setzt. Der Clou ist die Integration: openDesk bringt viele bewährte Open-Source-Komponenten in einer einheitlichen Benutzeroberfläche «seamless» zusammen – eine Arbeitsumgebung, die der kommerzieller Produkte nur wenig nachsteht, aber transparent, souverän und anpassbar bleibt.

Ein europäisches Gemeinschaftswerk
Entwickelt wird openDesk vom Zentrum für Digitale Souveränität (ZenDiS) in Deutschland. Das 2022 durch das Bundesministerium des Innern und für Heimat (BMI) gegründete Kompetenzzentrum unterstützt Verwaltungen in Bund, Ländern und Kommunen dabei, ihre digitale Handlungsfähigkeit langfristig zu sichern. ZenDiS arbeitet dabei eng mit Partnern in ganz Europa zusammen, um offene Standards zu fördern und nachhaltige digitale Infrastrukturen zu etablieren.
Der europäische Gedanke steht im Mittelpunkt: Gemeinsam sollen Softwarelösungen entstehen, die den Bedürfnissen des öffentlichen Sektors gerecht werden – unabhängig, sicher und zukunftsfähig. openDesk ist ein sichtbares Resultat dieser Kooperation und zugleich ein Symbol dafür, dass digitale Souveränität nur in gemeinsamer Verantwortung erreicht werden kann.
Der Weg ist bereits ein Ziel
Bei aller Technologie bleibt eines klar: Digitale Souveränität ist kein Zustand, sondern ein mittel- bis langfristiger Prozess der Annäherung. Dazu braucht es nicht nur die technische Entwicklung und Bereitstellung von Plattformen und Produkten, sondern auch einen kulturellen Wandel. Im Rahmen des vierteljährlichen Innodialogs hat die Bedag darum Kunden eingeladen, sich zur digitalen Souveränität Gedanken zu machen.
Als Referenten konnte die Bedag Matthias Stürmer, Professor an der Berner Fachhochschule und Gründer des Netzwerks SDS, gewinnen. Wir haben ihn gefragt, wie der aktuelle Stand in der Schweiz sei und welche Perspektiven beständen: «In der Schweiz besteht seitens Behörden und weiteren Vertretern des öffentlichen Sektors eine grosse Nachfrage nach digital souveränen Alternativen zu M365 & Co. Auch gibt es viele Schweizer IT-Firmen mit hoher Kompetenz für digital souveräne Open-Source-Lösungen.
Aber aktuell schauen die einzelnen Kantone und Bundesämter nur für sich und viele Schweizer IT-KMU sind zu klein, um gegen die grossen Hyperscaler und Konzerne anzutreten. Das Netzwerk SDS will darum primär kommunizieren und vernetzen, um die Kräfte zu bündeln.
Konkret müssen wir die Product Ownership von Open-Source-Lösungen koordinieren, Beratung zu rechtlichen, technologischen und organisationalen Fragen leisten, skalierbare Support-Strukturen für Open-Source-Produkte schaffen und Finanzierungs- und Business-Modelle auf der Schnittstelle Staat und Community entwickeln.
Alle konkreten Projekte werden dann direkt von Firmen und Behörden oder vom Institut Public Sector Transformation der Berner Fachhochschule realisiert. Ein gutes Beispiel ist die openDesk-Demoplattform der Bedag, die es ihren Kunden ermöglicht, mit digital souveränen Office Tools praktische, anwendungsorientierte Erfahrungen zu sammeln.»
Mit der openDesk-Demoplattform schafft die Bedag eine Brücke zwischen Vision und Praxis, zwischen Verwaltung und Technologie. Schritt für Schritt wächst so ein digitales Ökosystem, das der Schweiz mehr Unabhängigkeit, Transparenz und Vertrauen ermöglicht – und das zeigt, dass digitale Selbstbestimmung nicht nur ein Ziel ist, sondern bereits der Weg dorthin zählt.
Hier können Sie sich kostenlos für den Zugang zu unserer openDesk-Demoumgebung anmelden.