Künstliche Intelligenz in der Verwaltung

Datum
12.04.2021

Künstliche Intelligenz gilt als eine der innovativsten Technologien der digitalen Transformation. Thomas Alabor, Leiter Solution Engineering der Bedag Informatik AG, hat am Innovationstag der Bedag, am 23. März 2021, den geladenen Gästen die Möglichkeiten von «KI in der öffentlichen Verwaltung» aufgezeigt. Im nachfolgenden Interview erklärt er die Quintessenz seines Beitrags.

Thomas Alabor

Thomas, du hast am Innovationstag spannende Insights präsentiert. Was verstehst du unter KI?
KI, also künstliche Intelligenz, ist ein Sammelbegriff für Methoden und Lösungen, mit welchen Computer und Maschinen dazu gebracht werden sollen, antrainierte Verhaltensmuster auf neue Daten resp. auf eine neue Umgebung anzuwenden und damit menschenähnlich zu agieren. KI ist ein sehr breites Feld mit mannigfaltigen Technologien und Anwendungsgebieten. Ein wichtiger Teil ist der ganze Bereich der Sensorik, aber auch neue Möglichkeiten wie Bild- und Spracherkennung gehören dazu.

Vereinfacht gesagt geht es bei KI darum, möglichst viele Informationen zusammenzubringen und in ihrer ganzen Komplexität (mehrdimensional) zu analysieren, also Muster zu erkennen, um daraus Handlungen oder Handlungsempfehlungen abzuleiten.

Kannst du ein Beispiel geben, wie KI funktioniert?
Man könnte zum Beispiel Sensordaten aus dem Garten zum aktuellen Wetter, die Meteo-Informationen zur lokalen Wetterentwicklung, die aktuelle Jahres- und Tageszeit kombinieren mit den in den letzten Monaten gespeicherten individuellen Verhaltensmustern und mit den Verhaltensmustern von Tausenden anderer Nutzer. Daraus entwickelt man dann eine persönliche automatische Rollladensteuerung, welche in einem Grossteil der Fälle auch in Zukunft den Rollladen zum richtigen Zeitpunkt schliesst und öffnet.

Um KI einzusetzen, braucht man also Trainingsdaten (Verhaltensmuster einer gewissen Menge von Benutzern), das individuelle Muster des Users sowie weitere Daten (im obigen Fall: Sensor- und Meteodaten sowie Zeitangaben), um eine Voraussage zu machen, wann der Rollladen das nächste Mal mit grosser Wahrscheinlichkeit geschlossen beziehungsweise geöffnet wird.

Anwendungen, die auf diesem Prinzip beruhen, finden wir heute überall, mehr oder weniger ausgereift und komplex: Beispielsweise habe ich letzthin von der Migros unter dem Titel «Speziell für Sie» auf mich persönlich passende Cumulus Coupons erhalten – da steckt mit grosser Wahrscheinlichkeit KI dahinter. Dasselbe Muster kennen wir auch aus Empfehlungen in den Onlineshops: «Kunden, die dieses Buch gekauft haben, haben auch dieses Buch angeschaut».

Was ist denn «KI in der öffentlichen Verwaltung»?
Ich bin überzeugt, dass es bei der Anwendung von KI in der öffentlichen Verwaltung grosse Unterschiede gibt im Vergleich zur Privatwirtschaft. Für die öffentliche Verwaltung sind Datenschutz, Transparenz (im Sinne von Nachvollziehbarkeit) und Gleichbehandlung zentral und entscheidend für das Vertrauen der Bevölkerung und Wirtschaft in den Staat.

Sowohl die EU als auch der Bund sagen, dass KI in Zukunft entscheidend sein wird. Der Bund sieht KI als Grundlagentechnologie – das ist sicher richtig. Allerdings stehen wir bezüglich des Reifegrads in der Anwendung noch ziemlich am Anfang. Das sieht man beispielsweise an der Liste der Projekte, welche auf eGovernment.ch publiziert ist: Da gibt es einige Chatbots und 2–3 Ämter, welche als Early Adopters vorangehen, zum Beispiel das Bundesamt für Statistik mit seinem Programm «Experimental Statistics».

Gleichzeitig stellen wir aber auch fest, dass das Thema seit einigen Monaten deutlich an Schwung gewinnt.

Was kann die Bedag hierzu beitragen?
KI ist ein breites Feld. Wir haben in der Bedag ein Team von Datenspezialisten aufgebaut, welches in den letzten Jahren einige spannende Projekte durchgeführt hat. Auch haben wir zum Beispiel mit Bild- und Spracherkennung experimentiert. Um unsere Kunden aber optimal zu unterstützen, spezialisieren wir uns auf die Optimierung der Dossier- und Datenverarbeitung. Das ist unser Schwerpunkt.

Bei der Optimierung der Dossierverarbeitung mit KI unterscheiden wir zwei Stossrichtungen:

Erstens möchten wir Dossiers identifizieren, welche richtig ausgefüllt sind. Dies, bevor das Dossier manuell geprüft wird – so kann man die Verarbeitung automatisieren.

Zweitens unterstützen wir Fachexperten bei der Dossierprüfung und -korrektur: Das geht von der Gruppierung ähnlicher Fälle bis hin zur Empfehlung, wie ein Dossier typischerweise korrigiert wird. Damit kann der Bearbeitungsaufwand deutlich reduziert werden.

Ein gutes konkretes Beispiel dafür ist ein Projekt, welches wir 2017 bereits als Proof of Concept mit dem Kanton Bern und letztes Jahr mit dem Kanton Obwalden umsetzen durften: Ein KI-Algorithmus berechnet die Wahrscheinlichkeit des Korrekturbedarfs für Steuerdossiers. Die Steuerverwaltung kann dann entscheiden, ob Dossiers, welche wahrscheinlich keine Korrektur benötigen, automatisch verarbeitet werden. Mit solchen Anwendungsfällen lässt sich die Automatisierung deutlich erhöhen und die frei werdenden Ressourcen können anderweitig eingesetzt werden.

Zudem setzen wir selbstverständlich Chatbots um oder arbeiten auch mit Partnern an der Belegerkennung, das heisst der Extraktion von Informationen aus Belegen.

Zentral bei unserem Vorgehen sind die Transparenz und das Geschäftsverständnis. Da wir seit Jahrzehnten für die öffentliche Verwaltung arbeiten, verstehen wir deren Werte und kennen oftmals bereits einen Teil der Daten, welche bearbeitet werden. Das offene Vorgehensmodell «CRISP-DM» (cross-industry standard process for data mining) ist die Basis für unsere Projekte. Dieses Modell stellt ein nachvollziehbares Vorgehen im Projekt sowie ein gemeinsames Verständnis zusammen mit unseren Kunden und Partnern sicher.

Dabei ist es unseren Data Scientists wichtig, dass auch unsere Kunden verstehen, wie KI funktioniert. Haben Sie beispielsweise gewusst, dass bei einem Chatbot vier unterschiedliche Methoden zusammenspielen (Syntax, Erkennung von Dingen und Absichten, Semantik und Gesprächsführung)? Nicht? Unsere Chatbot-Kunden schon, denn wir glauben, dass Transparenz und Nachvollziehbarkeit das Vertrauen in die Lösung erhöhen – und nur so nachhaltige Lösungen entwickelt werden können.

Danke, Thomas, für deine Erläuterungen.


Möchten auch Sie wissen, wie Sie KI in Ihrem Tätigkeitsgebiet einsetzen können? Dann nehmen Sie Kontakt mit uns auf – unsere Experten identifizieren in einem Workshop mit Ihnen das Potenzial und skizzieren Anwendungsmöglichkeiten: thmslbrbdgch oder +41 79 172 31 77

Die vollständige Präsentation, die Thomas Alabor am Innovationstag der Bedag gehalten hat, steht Ihnen in einer Aufzeichnung zur Verfügung

Achtung Phishing !

In Deutschland und der ganzen EU werden fälschlicherweise Jobs im Namen der Bedag angeboten. Die Bedag Informatik AG hat ausserhalb der Schweiz keine Niederlassung und beauftragt im EU Raum keine Recruiter. Unsere Rechtsabteilung ist bereits informiert. Geben Sie keine sensiblen Personendaten weiter. Falls Sie Ihre Personendaten schon weitergegeben haben, nehmen Sie bitte mit Ihrer Bank und der Polizei Kontakt auf und informieren Sie diese über den Vorfall. Es besteht ein erhöhtes Betrugsrisiko.