KI im Software Development Lifecycle: Vom Code-Bottleneck zum Design-Fokus
Datum
24.06.2026
Keine Technologie hat die Software-Branche in so kurzer Zeit so stark verändert wie generative KI. Was mit ChatGPT Ende 2022 begann, entwickelt sich inzwischen zu einer grundlegenden Transformation des gesamten Software Development Lifecycles. Besonders die neue Generation grosser Sprachmodelle Anfang 2026 hat den Einsatz von KI-Agenten in der Software-Entwicklung nochmals deutlich beschleunigt.
Diese Entwicklung ist Chance und Herausforderung zugleich.
Die Risiken zeigen sich unter anderem in sinkenden Aktienkursen börsenkotierter
SaaS-Unternehmen sowie in Entlassungen oder einer zurückhaltenderen
Personalpolitik in der Branche. Gleichzeitig wird jedoch weder ein einzelnes
Land noch ein einzelnes Unternehmen diese Entwicklung aufhalten können. Wer den
produktiven Einsatz von KI nicht frühzeitig aufbaut, wird langfristig an
Wettbewerbsfähigkeit verlieren. Dies gilt auch für den Bereich der
Verwaltungssoftware.
Unsere Strategie: Chancen aktiv nutzen
Diese Entwicklung wollen wir aktiv und offen adressieren und
die sich daraus ergebenden Chancen nutzen. Bestehende Lösungen können mit KI
gestärkt werden, wie beispielsweise der Datenschutz-Assistent.
Darüber hinaus setzen wir KI ein, um unsere Effizienz zu steigern –
insbesondere in der Software-Entwicklung bzw. Codierung.
Vom Code-Bottleneck zum Design-Fokus
Bisher stellte in den meisten Fällen die Entwicklung den
eigentlichen Flaschenhals dar – nicht nur das Schreiben von Codes selbst,
sondern auch die zahlreichen Prozesse, die damit einhergehen. Agile Methoden
verfolgen das Ziel, wertvolle Entwicklerressourcen möglichst effizient zu
organisieren, um Software in hoher Qualität zu produzieren. KI ist zunehmend in
der Lage, diesen Engpass zu reduzieren und die viele Entwicklungsschritte
erheblich zu beschleunigen.

Wenn die Erstellung von Software deutlich schneller wird, verlagert sich der Flaschenhals an andere Stellen: Entscheidend wird zunehmend die Frage, was gebaut werden soll, und nicht mehr primär, wie eine Lösung technisch umgesetzt wird. Gerade hier eröffnet KI die Chance, verschiedene Varianten auszuprobieren und geeignetere Verwaltungslösungen zu evaluieren. Mit KI können verschiedene Ansätze, Prototypen und UI-Mockups in kurzer Zeit erstellt und getestet werden. Varianten lassen sich dadurch direkt ausprobieren und validieren, statt ausschliesslich in Workshops oder Meetings diskutiert zu werden.
Auch die Kundennähe bleibt sowohl bei der
Anforderungserfassung als auch bei der Analyse zentral und gewinnt sogar weiter
an Bedeutung. Sie ermöglicht es, flexibler auf Anforderungen zu reagieren und
gleichzeitig mehr Funktionalität bei gleichbleibender Qualität bereitzustellen.
Entscheidend ist dabei, nicht jeden Wunsch ungefiltert umzusetzen. Denn auch
mit KI entstehen sonst inkonsistente und qualitativ schwache Produkte. Die
Bedeutung eines starken Produktmanagements nimmt dadurch weiter zu.
Ganzheitliche Umsetzung: Unsere fünf Massnahmen-Säulen
Bei der Bedag gehen wir diese Herausforderung umfassend an
und strukturieren unsere Aktivitäten entlang von fünf zentralen Säulen:

Organisatorische Verankerung
Organisatorisch sind eine klare Verankerung der
KI-Initiativen und die aktive Unterstützung durch das Management entscheidend.
Eine grundlegende Reglementierung ist notwendig, sollte insbesondere zu Beginn
jedoch nur die wesentlichen Leitplanken definieren. Dazu gehören etwa die
Normierung der KI-Verwendung sowie der Umgang mit kunden- und
datenschutzrelevanten Informationen im Zusammenhang mit Cloud-basierten
KI-Agenten. Neben der Bereitstellung von Lizenzen für KI-Werkzeuge und
regelmässigen Austauschformaten steht vor allem eine gut abgestimmten
Governance im Vordergrund.
Personal und Kompetenzaufbau
Im Bereich Personal organisieren wir motivierte
Mitarbeitende mit Vorkenntnissen im KI-Umfeld in einer Community of Practice
(CoP). Viele dieser Erfahrungen stammen ursprünglich aus privatem Interesse und
eigener Experimentierfreude. Denn jede Organisation muss zunächst lernen,
welche Agenten für welche Aufgaben geeignet sind und wie diese sinnvoll
gesteuert werden können. Ergänzend fördern wir gezielt Selbststudium,
Weiterbildung und Ausbildung – einschliesslich unserer Auszubildenden.
Use Cases entlang des Software Development
Lifecycles (SDLC)
Auf dieser Grundlage sammeln wir wertvolle Erfahrungen
anhand konkreter Anwendungsfälle entlang des gesamten SDLC. Der Fokus liegt
dabei keineswegs ausschliesslich auf der Software-Entwicklung selbst, sondern unter
anderem auch auf Technologie-Evaluationen, internen Werkzeugen,
KI-Unterstützung bei PR-Reviews, der Erneuerung von Benutzeroberflächen sowie der
automatisierten Generierung von Testdaten. Die CoP spielt dabei eine wichtige
Rolle für den Wissensaustausch und fungiert gleichzeitig als Multiplikator in
die gesamte Organisation.
Infrastruktur und digitale Souveränität
Im sensiblen Umfeld der Verwaltung ist es essenziell,
bestimmte KI-Fähigkeiten auch lokal und on-premise betreiben zu können. Nicht
alle Anwendungsfälle dürfen aus Gründen des Datenschutzes, der Sicherheit, der
Nachvollziehbarkeit aber auch wegen Haftungs- und Eigentumsrechten mit Public-Cloud-basierten
KI-Agenten verarbeitet werden. Zum einen muss dies durch ein belastbares
ISDS-Konzept abgesichert werden. Zum anderen muss die Verwendung von KI bei der
Entwicklung mit dem Kunden aktiv abgestimmt werden, wobei dem Kunden auch die
Vorteile deutlich zu machen sind. Deshalb setzen wir gezielt auch auf lokale
LLMs und verfolgen innovative Ansätze wie die automatisierte nächtliche
Verarbeitung, um vorhandene Ressourcen auch ausserhalb der Bürozeiten zu
nutzen.
SDLC und Tooling der nächsten Generation
KI verändert auch den Software Development Lifecycle selbst
grundlegend – genauso wie unsere Tool-Umgebungen für die Entwicklung und
Deployment. Dieser Wandel wird zunehmend von den Anforderungen der KI-Agenten
geprägt und nicht mehr ausschliesslich von den Bedürfnissen menschlicher
Entwickler. Neben Servern auf Basis des Model Context Protocols (MCP) zur
Anbindung bestehender Werkzeuge, die weiterhin essenziell bleiben, entstehen
neue Werkzeuge und Plattformen, die wir im Rahmen gezielter KI-Tool-Tests
evaluieren. Klassische Instrumente, wie Software Component Analysis,
Software-Qualitätssicherung, Static Application Security Testing, Open Source
Software Compliance und Testing, gewinnen dabei sogar an Bedeutung. Sie dienen
als unabhängige Kontrollinstanzen gegenüber KI-generierten Ergebnissen.
Zusätzlich benötigen KI-Systeme klare Vorgehensmodelle und
technologische Leitplanken. Reines «Vibe Coding» ersetzt keine systematische
und professionelle KI-gestützte Software-Entwicklung, wie sie für die
qualitativ hochwertige Software-Entwicklung der Bedag erforderlich ist.
Der Mensch bleibt entscheidend
Der konsequente Einsatz von KI-Agenten wird die Arbeit in
Entwicklungsteams nachhaltig verändern. Die Produktivität einzelner
Mitarbeitender steigt deutlich an. Besonders leistungsfähige KI-Entwickler
werden in der Lage sein, ganze Epics oder komplexere Storys weitgehend
eigenständig mit der KI umzusetzen. Der Mensch wird aber weiterhin eine
wichtige Rolle bei der Spezifikation, Steuerung und auch Kontrolle der KI
spielen.
Gleichzeitig bleibt es essenziell, agile Feedback-Loops und die enge Zusammenarbeit mit Kunden nicht nur zu erhalten, sondern gezielt auszubauen. Denn künftig wird noch wichtiger sein, welche Funktionen tatsächlich Mehrwert schaffen und umgesetzt werden sollen – und nicht nur, welche technisch möglich wären. Entwicklerinnen und Entwickler werden deshalb zunehmend zu Steuerleuten von Agenten-Teams oder zu Experten an der direkten Schnittstelle zum Kunden.
Trotz aller technologischen Fortschritte bleibt der Mensch der entscheidende Faktor. KI kann Codes generieren, Tests unterstützen und Prozesse beschleunigen. Die Verantwortung für Architektur, Qualität, Sicherheit und die richtigen Produktentscheidungen bleibt jedoch beim Menschen. Wer die Stärken von Mensch und KI verbindet, wird die Zukunft der Software-Entwicklung gestalten und die bereits laufende Digitalisierung noch einmal auf ein deutlich höheres Level heben können.
Mehr dazu lesen Sie hier:
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