Aktuell

Technologien mit Weitsicht steuern

Datum
24.06.2026

Die Geschwindigkeit technologischer Veränderungen stellt IT-Organisationen und Kunden vor neue Herausforderungen. Künstliche Intelligenz beschleunigt Innovationszyklen, Software wird immer modularer aufgebaut und neue Funktionen müssen in immer kürzeren Abständen bereitgestellt werden. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Sicherheit, Compliance, Verfügbarkeit und Wirtschaftlichkeit.

Was vor wenigen Jahren noch mit jährlichen Technologie-Roadmaps gesteuert werden konnte, gerät zunehmend an seine Grenzen. Unternehmen müssen heute laufend beurteilen, welche Technologien Zukunftspotenzial besitzen, welche produktiv eingesetzt werden sollen und wann der richtige Zeitpunkt für deren Ablösung gekommen ist. Ohne einen strukturierten Ansatz drohen steigende Komplexität, unübersichtliche Abhängigkeiten und sinkende Planungssicherheit.

Anschaulich lässt sich diese Herausforderung mit der Raumplanung einer Stadt vergleichen. Neue Quartiere entstehen, bestehende Infrastrukturen werden erweitert und veraltete Bauten zurückgebaut. Damit eine Stadt langfristig funktioniert, genügt es nicht, auf aktuelle Bedürfnisse zu reagieren. Es braucht Weitsicht, klare Leitplanken und eine kontinuierliche Weiterentwicklung. Genau diese Aufgabe übernimmt in der IT ein professionelles Technologie-Lifecycle-Management.

Architektur

Warum klassisches Technologiemanagement nicht mehr ausreicht
Mehrere Entwicklungen beschleunigen heute den technologischen Wandel: Künstliche Intelligenz treibt Innovationen voran, Software wird zunehmend in modularen Services statt in grossen Monolithen entwickelt und unterschiedliche Komponenten folgen ihren eigenen Release-Zyklen. Gleichzeitig rücken Entwicklung und Betrieb durch DevSecOps-Ansätze enger zusammen. Diese Dynamik führt dazu, dass jährliche Technologie-Roadmaps oder klassische Betriebsmeetings allein nicht mehr genügen, um Kunden und Partner rechtzeitig über Veränderungen zu informieren. Gefragt sind transparente Prozesse, kontinuierliche Bewertungen und eine enge Einbindung aller Beteiligten.

Der Technologie-Lifecycle als Navigationssystem
Um den Überblick über die technologische Entwicklung zu behalten, setzt die Bedag auf einen strukturierten Technologie-Lifecycle. Das Ziel besteht darin, Technologien kontinuierlich zu beobachten, fundiert zu bewerten, gezielt einzusetzen und rechtzeitig wieder abzulösen.

Technologie Lifecycle

1. Beobachten
In dieser Phase werden neue Technologien, Trends und Marktbewegungen identifiziert. Ziel ist es, Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und deren Potenzial zu verstehen.

2. Beurteilen
Nicht jede Innovation eignet sich für den produktiven Einsatz. Deshalb werden Chancen, Risiken und Nutzen systematisch analysiert. Erst danach erfolgt eine fundierte Entscheidung über den weiteren Einsatz.

3. Verwenden
Bewährte Technologien werden produktiv eingesetzt. Der Fokus liegt dabei nicht nur auf dem Betrieb, sondern auf der nachhaltigen Schaffung von Mehrwert und der kontinuierlichen Weiterentwicklung bestehender Lösungen.

4. Ablösen
Technologien haben einen Lebenszyklus. Sobald Risiken, Abhängigkeiten oder fehlende Zukunftsperspektiven überwiegen, wird eine geordnete Ablösung eingeleitet. Dadurch werden technische Schulden reduziert und die Zukunftsfähigkeit der IT-Landschaft sichergestellt.

Von der NASA lernen: Technologische Reife messbar machen
Für die Bewertung von Technologien nutzt die Bedag ein Modell, das ursprünglich von der NASA entwickelt wurde: die sogenannten Technology Readiness Levels (TRL). Dieses Modell bewertet die technische Reife einer Technologie auf einer Skala von 1 bis 9.

NASA-Modell

Während sich Technologien auf den unteren Stufen noch im Forschungs- oder Konzeptstadium befinden, gelten sie auf den höchsten Stufen als produktionsreif und im Betrieb bewährt. Die Bewertung hilft dabei, zwischen vielversprechenden Innovationen und tatsächlich einsatzfähigen Lösungen zu unterscheiden.

Die Bedag erweitert diesen Ansatz um einen entscheidenden Aspekt: die kontrollierte Ausserbetriebnahme. Da das ursprüngliche NASA-Modell keinen eigentlichen Technologie-Rückbau vorsieht, wurden zusätzliche negative Bewertungsstufen eingeführt. Diese reichen von ersten Zweifeln über die Planung der Ausserbetriebnahme bis hin zur vollständigen Ablösung einer Technologie.

Bedag Ergänzung

Technologie ist mehr als Technik
Eine moderne Technologiebewertung darf sich nicht ausschliesslich auf technische Kriterien stützen. Deshalb beurteilt die Bedag jede Technologie anhand mehrerer Dimensionen:

  • Technische Reife
  • Betriebsfähigkeit
  • Sicherheits- und Compliance-Reife
  • Hersteller- bzw. Community-Reife
  • organisatorische Integration
  • Exit-Risiken und Abhängigkeiten

Besonders bemerkenswert ist dabei das Bewertungsprinzip: Nicht der Durchschnitt entscheidet, sondern die schwächste Dimension. Eine Technologie kann insgesamt nur so gut bewertet werden wie ihre kritischste Schwachstelle. Dieses Vorgehen verhindert, dass kritische Schwachstellen durch gute Bewertungen in anderen Bereichen überdeckt werden.

Praxisbeispiel: Wenn Marktveränderungen Entscheidungen erzwingen
Wie wichtig ein strukturierter Lifecycle ist, zeigt das Beispiel der Atlassian-Plattform. Die Ankündigung des Herstellers, das On-premises-Modell einzustellen, veränderte die Bewertung der Technologie erheblich. Insbesondere Sicherheits- und Compliance-Aspekte sowie Fragen rund um den Vendor Lock-in führten zu einer Neubewertung.

In der Folge evaluiert die Bedag derzeit eine Alternativlösung, die eine vollständige Migration bis 2029 ermöglicht. Die neue Plattform wird dann schrittweise zur Produktionsreife geführt, bevor die bestehende Lösung ausser Betrieb genommen wird. Das Beispiel zeigt, dass Technologieentscheidungen nicht allein durch technische Leistungsfähigkeit bestimmt werden. Langfristige Betriebssicherheit, regulatorische Anforderungen und strategische Unabhängigkeit spielen eine ebenso wichtige Rolle.

Künstliche Intelligenz unterstützt den Technologie-Lifecycle
Die Geschwindigkeit technologischer Entwicklungen macht auch vor dem Lifecycle-Management nicht halt. Deshalb arbeitet die Bedag an einem eigens trainierten KI-Agenten, der den Technologie-Lifecycle künftig unterstützen soll.

Der Agent wird Technologien beobachten, bestehende Services analysieren und potenzielle Nachfolge- oder Ergänzungstechnologien identifizieren. Gleichzeitig bleibt die Verantwortung für die finale Beurteilung weiterhin bei den Architekturteams und den verantwortlichen Fachspezialisten. Die künstliche Intelligenz unterstützt somit die Entscheidungsfindung, ersetzt sie aber nicht.

Mehr Orientierung in einer immer komplexeren Technologiewelt
Die Zahl neuer Technologien wächst schneller denn je. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Sicherheit, Compliance, Verfügbarkeit und Innovationsgeschwindigkeit. Unternehmen benötigen deshalb nicht nur moderne Technologien, sondern vor allem einen verlässlichen Mechanismus, um deren Nutzen, Risiken und Zukunftsfähigkeit laufend zu beurteilen.

Genau hier liegt der Mehrwert einer Zusammenarbeit mit der Bedag. Durch einen klar definierten Technologie-Lifecycle, eine systematische Bewertung mit nachvollziehbaren Kriterien und eine frühzeitige Planung von Technologiewechseln erhalten Kunden mehr Transparenz, höhere Planungssicherheit und geringere Risiken über den gesamten Lebenszyklus ihrer IT-Lösungen hinweg. Die Bedag begleitet ihre Kunden dabei nicht nur bei der Einführung neuer Technologien, sondern sorgt ebenso dafür, dass bestehende Lösungen nachhaltig betrieben und rechtzeitig weiterentwickelt oder abgelöst werden. So wird aus technologischem Wandel ein gezielt steuerbarer Erfolgsfaktor.

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