Eugen – die Auszeichnungen 2013

Am 31. Oktober verlieh die Bedag zum 22. und letzten Mal ihre renommierten Medienpreise für allgemeinverständliche journalistische Beiträge zu Informatikthemen. Die unabhängige Jury unter der Leitung von Dr. Louis Bosshart, Professor für Medien- und Kommunikationswissenschaften in Freiburg, konnten zum Abschluss eine ganze Reihe hochklassiger Arbeiten auszeichnen. Den grossen Preis sprach die Jury 2013 Michaël Jarjour für einen Radiobeitrag über die Macht der Daten bei den Wahlen in den USA zu. Ebenfalls ausgezeichnet wurden Alexandre Haederli (Presse), Lucius Müller (Multimedia) sowie Florian Imbach und Mario Poletti (TV). Den E-Government-Preis verlieh die Bedag die Stadt St. Gallen für ihr E-Partizipations-Projekt MySG.

Die Preisträger 2013 (von links nach rechts): Oliver Forrer in Vertretung für Michaël Jarjour (Grosser Preis, Radiopreis), Lucius Müller (Multimedia-Preis), Alexandre Haederli (Pressepreis), Florian Imbach und Mario Poletti (Fernsehpreis), Urs Weishaupt, Daniel Brack, Roman Kohler, Sabine Hosennen (E-Government-Preis, Stadt St. Gallen)

Die Medienpreise

Der Bedag-Medienpreis wird seit 1992 in den Sparten Print, Radio und Fernsehen verliehen. Im Berichtsjahr berücksichtigte die Jury folgende Autoren:

Michaël Jarjour erhielt für seine Radio-Reportage zur Macht der Daten bei den Wahlen in den USA die Auszeichnung Grosser Preis 2013. Der Autor schildert eindrücklich, anschaulich und sachlich, wie viel die Parteien in den USA aus verschiedensten Quellen über ihre Wähler wissen. Michaël Jarjour zeigt, dass in den Vereinigten Staaten ein weiterer grosser Schritt zum gläsernen Menschen und damit zur Erfüllung eines Wunschtraums politischen Marketings absolviert worden ist. Mit der emotionslosen und verständlichen Beleuchtung dieser Vorgänge im Rahmen des US-Wahlkampfs liefert Michaël Jarjour dem schweizerischen Publikum gleichzeitig einen Denkanstoss: Wer weiss schliesslich, wann diese Art der politischen Kampagne auch hier zum Einsatz kommt?

Für seine Reportage „Ce fonctionnaire irlandais est parvenu à faire plier Facebook“ erhielt Alexandre Haederli den Pressepreis zugesprochen. Der Artikel – erschienen in „Le Matin Dimanche“ – beschreibt den Kampf des irischen Datenschutzbeauftragten Billy Hawkes gegen die scheinbar übermächtige Social-Media-Plattform Facebook. Hawkes setzte durch, dass Facebook eine Gesichtserkennungs-Software ausschalten musste. Gleichzeitig veranlasste er Facebook, Millionen gespeicherter Gesichtsprofile zu löschen. Diese waren während anderthalb Jahren mit der Gesichtserkennungs-Software gespeichert worden. Die Jury erachtet diesen Beitrag als Eugen-würdig, weil der darin geschilderte Kampf David gegen Goliath beispielhaft die allgemeine Besorgnis über Datensicherheit und -schutz abbildet. Gleichzeitig zeigt die Reportage, wie wichtig es aus journalistischer Sicht ist, vor Ort zu recherchieren.

Digital-Redaktor Lucius Müller verlieh die Jury den Multimedia-Preis 2013 für eine Beitragsserie mit dem Titel „Computer im Beruf“. In acht Portraits zeigt der Verfasser auf, wie der Einsatz moderner Informationstechnologie Berufsbilder komplett verändert hat. Dabei fokussiert der Autor bewusst auf Berufe, die vor 20 Jahren noch gänzlich auf den Einsatz von Computern verzichten konnten wie zum Beispiel jene des Automechanikers oder der Försterin. Den Preis in der Kategorie Multimedia rechtfertigt Lucius Müller mit der Umsetzung seines Projekts: Sämtliche Portraits sind als Videobeitrag verfügbar. Gleichzeitig kann die Tonspur vom Bild entkoppelt als Radio-Feature angehört werden. Die ganze Beitragsserie ist ausserdem auf der Website von srf.ch nachzulesen.

Den Fernsehpreis gewann in diesem Jahr das Autorenteam Florian Imbach und Mario Poletti. Mit ihrem Beitrag „Open Data – Staat ohne Geheimnisse“ setzen sie einen Kontrapunkt zur Diskussion rund um den „gläsernen Menschen“. Die im Beitrag vorgestellte globale Bewegung Open Data setzt sich dafür ein, dass Bürger öffentliche, aggregierte Daten im Internet nicht nur einsehen, sondern auch selber auswerten können. Das Ziel der Bewegung ist mehr Transparenz und Bürgernähe. Es geht also auch um die Wiederherstellung von verlorenem Vertrauen in den Staat. Ein heisses Eisen in Zeiten von Schuldenmisere und Politikverdrossenheit.

Der E-Government-Preis

Zum Millenniumswechsel hatte die Bedag den E-Government-Preis ins Leben gerufen, um spezielle Leistungen im Online-Bereich öffentlicher Verwaltungen der Schweiz zu würdigen. 2013 wurden schweizerische E-Partizipations-Projekte untersucht. Als Sieger ging das Projekt der Stadt St. Gallen hervor. Deren beispielhaftes E-Partizipations-Projekt MySG zeigt, dass mit E-Partizipation tatsächlich etwas bewegt werden kann. Die Bürgerinnen und Bürger gaben über diese Plattform den Anstoss zu einer Grundsatzabstimmung über die Verlängerung einer Unterführung zum Bahnhof. Auf MySG.ch wurden Umfragen durchgeführt und im Forum Argumente ausgetauscht. Ergänzend fanden auch reale Veranstaltungen statt.

Eugen verabschiedet sich nach 21 Jahren

Der Zweck des Bedag-Medienpreises ist die Förderung und Unterstützung von allgemeinverständlichen journalistischen Arbeiten im Bereich der Informatik. 1992, als der Eugen erstmals verliehen worden war, waren Beiträge zu diesem Thema in der Tagespresse und den Massenmedien rar. Heute wartet jedes Medium mit einer regelmässigen Digital-Rubrik auf. Informatik ist quasi zur Allgemeinbildung geworden. Die Bedag Informatik AG ist überzeugt, dass Eugen einen wichtigen Beitrag zu dieser Entwicklung beitragen konnte. Unbestritten hat Eugen die Medien für Informatikthemen interessiert und sensibilisiert. Und er hat mitgeholfen, den elektronischen Verkehr zwischen Verwaltung und Publikum zu einer Selbstverständlichkeit zu machen. Eugen hat also sein Ziel erreicht und deshalb verabschiedet er sich nach 21 Jahren und 22 Preisverleihungen.

Die Bedag Informatik AG dankt den Mitgliedern der Jury für fachmännische Beurteilungen und einfühlsame Würdigungen, den engagierten Journalistinnen und Journalisten für ihre wichtige Arbeit und allen, die Eugen in den vergangenen 21 Jahren in irgendeiner Weise unterstützt haben.